Ayn Rand (1905-1982) war eine russisch-amerikanische Schriftstellerin und Philosophin, am Besten bekannt für ihre Romane The Fountainhead und Atlas Shrugged, sowie für ihre Verteidigung der Vernunft und einer Ethik des rationalen Egoismus.
Geboren wurde sie am 2. Februar 1905 als Alissa Rosenbaum in Sankt Petersburg. Mit sechs Jahren brachte sie sich selbst das Lesen bei; mit neun Jahren entschied sie sich, Schriftstellerin zu werden. Als prägende literarische Einflüsse nannte sie selbst vor allem ihren Lieblingsautor Victor Hugo, dessen Werke sie 1918 entdeckte, sowie Fjodor Dostojewski.
Mit dem Ausbruch der Oktoberrevolution sah sich die Familie gezwungen, auf die Krim zu flüchten, wo sie einige Jahre von Hunger und Armut verlebte, zumal das Unternehmen ihres Vaters durch die Kommunisten verstaatlicht wurde. Während ihrer Schulzeit auf der Krim, die sie 1921 abschloss, entdeckte sie die Philosophie Aristoteles’, welche ihr Denken nachhaltig prägen sollte.
Nachdem die Familie 1922 nach Petrograd zurückgekehrt war, schrieb sich Rand an der Universität für ein Studium der Philosophie und Geschichte ein, welches sie 1924 abschloss. Da sie zwischenzeitlich die frühen Hollywoodfilme kennen und lieben gelernt hatte, folgte eine weitere Ausbildung am Staatlichen Institut für Filmkunst als Drehbuchautorin.
In einer Zeit, in der die Sowjetunion kurzzeitig ihre Ausreiserestriktionen lockerte, gelang es Ayn Rand ein sechsmonatiges Visum für einen USA-Aufenthalt zu erlangen. Sie verließ 1926 Russland, verbrachte ihren 21. Geburtstag in Berlin, und sollte nie wieder nach Europa zurückkehren. Den Kontakt in die Heimat sollte sie halten, bis der stalinistische Terror es für ihre Verwandten zu gefährlich machte, Briefe aus den USA zu bekommen. Bis auf eine Schwester kam ihre gesamte Familie im Zweiten Weltkrieg um.
Nach einem kurzen Aufenthalt bei Verwandten in Chicago nahm Alissa Rosenbaum den Namen Ayn Rand an und siedelte nach Hollywood über, wo sie für Cecil B. DeMille als Drehbuchautorin arbeitete und ihren Mann Frank O’Connor kennenlernte, den sie 1929 heiratete. 1931 wurde sie US-Staatsbürgerin.
1935 eröffnete ihr bekanntestes Drama, Night of January 16th, mit großem Erfolg auf dem Broadway. Bereits 1936 wurde ihr teils autobiographischer Erstlingsroman We the Living veröffentlicht, welcher sich mit der lebensfeindlichen Atmosphäre in Russland in den Jahren direkt nach der Revolution befasst und aufgrund der prokommunistischen Stimmung in den USA der „Red Decade“ nur geringe Rezeption fand. 1938 bereits folgte ihre Novelle „Anthem“, eine Dystopie, welche die Wiederentdeckung des Individuums in einer Welt feiert, in der das Wort „Ich“ verboten und in Vergessenheit geraten ist.
1943 erschien ihr erster großer Roman The Fountainhead, mit dem sie infolge ihren Durchbruch als Schriftstellerin schaffte. Der Roman, in dem Rand mit dem Protagonisten Howard Roark zum ersten Mal ihrem Selbstverständnis als Romantische Realistin gemäß einen Menschen portraitierte, wie er sein könnte und sein sollte, ist eine tiefschürfende Studie darüber, was einen echten Individualisten ausmacht, und wie sich Individualismus und Kollektivismus psychologisch in der menschlichen Seele auswirken. Er wurde 1949 mit Gary Cooper und Patricia McNeal in den Hauptrollen verfilmt.
1957 schließlich erschien ihr literarisches Hauptwerk Atlas Shrugged, ein monumentales gesellschaftliches Epos, in dem Rand die Rolle der Vernunft für das menschliche Leben in allen erdenkbaren Facetten ausleuchtet. Atlas Shrugged ist mit rund 650.000 Worten einer der umfangreichsten Romane, die je geschrieben wurden. Zugleich kommt auch Rands philosophisches System, für das sie später den Namen „Objektivismus“ wählen sollte, mit diesem Roman zur vollen Ausreifung.
Beginnend mit dem Jahr 1960 nahm Ayn Rand eine umfangreiche Vortragstätigkeit an verschiedenen Universitäten in den USA und am Ford Hall Forum auf. Sie beschloss, sich künftig vornehmlich der Verbreitung ihrer Ideen und deren Niederlegung in zahlreichen Essays zu widmen, welche sie ab 1962 in eigenen Zeitschriften und Anthologien veröffentlichte. Bei diesen Essays handelt es sich nur selten um rein theoretische Schriften. Vielmehr wandte Rand ihre Prinzipien im Rahmen kultureller Kommentierung auf aktuelles Geschehnis ab, um ihren Lesern einen philosophischen Orientierungsrahmen zu bieten.
Ergebnis dieser Bemühungen sind vor allem die Anthologien For the New Intellectual (1961), The Virtue of Selfishness (1964), Capitalism: The Unknown Ideal (1967), The New Left: The Anti-Industrial Revolution (1971), The Romantic Manifesto (1971/75), Introduction to Objectivist Epistemology (1979), sowie die posthum erschienene Anthologie Philosophy: Who Needs It (1982).
Ayn Rand starb am 6. März 1982 an Herzversagen in ihrem New Yorker Appartment.
